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Object & Installation

Installation »Auf dem Rücken«

Auf dem Rücken 200 Steigbügel mit Miniaturen | 200 x 1000 cm | 2015

Auf dem Rücken Detail

Gan-Erdene Tsend: „Auf dem Rücken“ (2013/14)

Mit der Installation „Auf dem Rücken“ dringt Gan-Erdene Tsend in neues künstlerisches Territorium vor. Der Maler, der sich zuvor mit seinen „Spiegel-Bildern“ einen großen Bekanntheitsgrad erworben hat, bedient sich dabei einer Vielzahl von Steigbügeln, die üblicherweise von Reitern als Fußstützen verwendet werden. Ursprünglich hatte Tsend an 500 Steigbügel gedacht, nun hat er für die aktuelle Arbeit 200 dieser Fußstützen zusammengetragen. Diese stammen teils aus der Heimat Mongolei oder aus Europa. Ihre Formen und ihr Material variieren, manche sind antik, andere sind nachgegossen oder stammen von Höfen aus dem Münsterland.

An durchsichtigen Fäden befestigt hängen sie in leicht unterschiedlichen Höhen von der Decke herunter. Auf den Flächen der Steigbügel hat der Künstler, der sich hier auch als Sammler betätigt, diverse Figürchen, Holzpüppchen, Zinnsoldaten oder Kinderspielzeug in kleinen Arrangements inszeniert. So entstehen jeweils kleine Miniatur-Welten, die Geschichte und Geschichten erzählen: mal fröhlich, kitschig und ironisch, mal bedrohlich und mit politischen Akzenten versehen. Klangvolle, fast meditative Effekte entstehen, wenn die Steigbügel durch einen Ventilator in Bewegung geraten und sich einander sanft berühren.

„Auf dem Rücken“ nennt der Künstler, der am Bewerbungsverfahren für die Biennale in Venedig 2015 teilgenommen hat, seine Arbeit. Sie handelt einerseits vom Verhältnis zwischen Mensch und Pferd, das Tsend bereits in seinen malerischen Arbeiten thematisiert hat. Pferde gehören in der Heimat des Künstler nicht nur zu den wichtigsten Nutztieren: in der Mongolei gibt es mehr Pferde als Einwohner. Sie sind lebenslange, treue Begleiter des Menschen.

 

Andererseits treibt Tsend seine Auseinandersetzung mit dem Motivkreis „Pferd und Mensch“ noch ein Stück weiter, künden die Steigbügel mit ihren unterschiedlichen Geschichten doch von den facettenreichen Erlebnissen und Eindrücken, die der Mensch in seinem Leben zu (er-)tragen hat. Ausgehend vom Titel „Auf dem Rücken“ lassen sich moderne Sprachwendungen ableiten, wie beispielsweise „Etwas auf dem Rücken anderer austragen“ oder auch der unter Reitern geläufige Spruch „Das Glück der Erde liegt auf dem Rücken der Pferde“; ebenso fällt in dem Kontext die idiomatische Wendung „Hoch zu Ross“, die einen blasierten und eingebildeten Menschen beschreibt. Der Künstler wendet sich den Lebensräumen und Vorstellungswelten, aber auch den zugrundeliegenden Gesinnungen und Überzeugungen des Menschen zu, die er mit dem Steigbügel artikuliert: Mal geht es auf, mal geht es ab – was bleibt, ist die feste und nachdrückliche Überzeugung, dass jeder sein Päckchen zu tragen hat ... Die Fülle der Bügel lässt darüber hinaus einen Raum entstehen, der nicht nur klanglich einem Resonanzraum gleicht. Er gibt der geistigen wie auch praktischen Erlebniswelt des Menschen ein anschauliches Gesicht.                      

Dr. Gabriele Hovestadt, Kunsthistorikerin

 

Installation »Ohne Titel«

Mongolische Zelte | je 300 x 600 x 250 cm | 2015 

Mongolische Zelte | je 300 x 600 x 250 cm | 2015

Installation »Duruu«

Hufeisen zusammengeschweisst | 160 x 150 x 150 cm | 2015

Installation »Ohne Titel«

Foliendruck auf dem Fenster | 600 x 200 cm | 2014